Der Kampf um den Strohballensieg

 

Als die ersten Kuchenstücke schon über den Tresen wandern, tüftelt das Popráci-Team des Mentorenprojekts noch an der richtigen Technik. "Wie bekommt man einen Strohballen möglichst schnell und geschickt um die Kurve?", diese Frage beschäftigt die Wettkämpfer am meisten. Nicht zum ersten Mal rollen sie am Richardplatz für Ruhm und Ehre des Mentorenprojekts. Als der Startschuss für die ersten Mannschaften fällt wird schnell klar: Viele verlieren die hart erkämpfte Führung in der ersten Kurve. Die Schwestermannschaft der Neuköllner Talente ist zuerst dran und schlägt sich wacker. Dann geht das Team des Mentorenprojekts an den Start.

 

Das Team: Maik Günther, Katharina Wörner, Stefan Skupien und Henning Höhne

 

Die Mentoren und Mentees machen sich bereit zum Anfeuern. Für wenige Minuten muss der Kuchenverkauf warten, der auf Hochtouren läuft. Viele fleißige Hände haben geknetet und gebacken und jetzt türmen sich die Leckereien am Stand. Basilikum-Erdbeertorte, gedeckter Apfelkuchen, Schokomuffins und frischer Kaffee – hier können sich die Besucher und Wettkämpfer stärken. Die Mentees helfen kräftig mit, nehmen Bestellungen entgegen, tischen Köstlichkeiten auf und verwalten die Kasse. Doch dann heißt es, dem Viererteam so richtig einzuheizen.

 

 

Katharina Wörner, Henning Höhne, Stefan Skupien und Maik Günther machen sich bereit, der Startschuss fällt, der Wettkampf beginnt. Die ersten Meter liegen sie mit ihren Gegnern gleichauf, dann können sie sich die Führung erkämpfen. In der ersten Kurve gibt es ein Gerangel, kurz ist wenig zu erkennen. Dann taucht die Mannschaft wieder auf – und ist nur noch zu dritt! In der Kurve ist das gegnerische Team mit ihrem Strohballen über Stefan Skupiens Fuß gefahren. Die anderen Teammitglieder kämpfen wacker, doch gegen eine Vierermannschaft haben sie keine Chance. Auf der letzten Gerade verlieren sie die Führung und damit auch den erhofften Sieg.

 

 

Die Mentoren sind gleich zur Stelle, kühlen Stefans Fuß. Doch der Krankenwagen muss trotzdem kommen. Wie vielen Strohballenprofis es in der Vergangenheit wohl schon so ging? Popráci hat eine lange Tradition. 1737 rollten die Neuköllner zum ersten Mal Strohballen um die Wette. So wollten die Dorfschulzen den rivalisierenden Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich friedlich zu messen, auf der einen Seite die Deutsch-Rixdorfer, auf der anderen die zugewanderten Böhmen. Diese brachten auch den Namen mit: Popráci bedeutet "Wenn die Arbeit getan ist" oder "Feierabend". Nach 1912 geriet die alte Tradition in Vergessenheit. Erst 2008 ließ die Künstlerkolonie Rixdorf sie wieder aufleben.

 

 

Und so heißt es in diesem Jahr schon zum 180. Mal "Ahoj, Popráci!". Trotz Verletzung werden wir auch im nächsten Jahr wieder dabei sein – es hat riesig Spaß gemacht! Die zahlreichen Kuchenspenden haben die Kasse mit fast 500 Euro aufgebessert. Und die Technik zum um-die-Ecken-lenken können unsere Strohballenprofis bestimmt noch weiter perfektionieren.

 

Text: Christine Elsaeßer

Fotos: Henning Höhne / Christine Elsaeßer

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